Donnerstag, 4. Oktober 2012

Mr. Big Bang is 50 now!

today is the 50th birthday of the premiere of the first James Bond film: Dr.No in UK.
In my series "Orbis TV pictus" I made drawings for almost all James Bond films, taking them as a sort of visual tutorial for our global handling of explosiveness (Eine Schule der Sprenglebendigkeit).

 
the following German text from 1993.

Mr. Big Bang: So nenne ich den vertrauten kalten Krieger, eine Mixtur aus Gilgamesch, Prinz Eisenherz, Philip Marlow und Rambo, der uns als Held aus all den James Bond-Streifen entgegentritt. Aus Standbildern der ersten 15 Bondfilme habe ich eine Sammlung von 120 Zeichnungen zusammengestellt, die als »Schule der Sprenglebendigkeit« einen Themenkreis der Serie Orbis TV pictus beleuchtet.
Diese Filme sind reine Unterhaltungsfilme, d.h. sie sind zwischen den ernsten Dingen des Lebens angesiedelt. Bond ist Geheimagent im Auftrag, er soll für seine Regierung, für die Konstrukteure und für uns nachgucken, ob sich im Geheimen und Verborgenen, dem, was längst nicht mehr einsehbar ist, weil es ohne Unterbrechung rund um die Uhr geschieht, neue Kräfte bilden, die sich terroristisch unserer Computersteuerung und der Atomkraft bemächtigen wollen. Diese virushaften, bösen Kräfte hat er aufzuspüren und mit seiner Lizenz zu töten unschädlich zu machen. Er gehört somit zum Immunsystem des modernen, kybernetischen Kultur- und Industrieorganismus, der auf Selbststeuerung, Homöostase, balance of powers ausgerichtet ist.
Mr. Big Bang läßt uns träumen, daß die Fülle der realen Bedrohungen, die unsere heutige Schnittstellenwelt durchzieht, in vereinzelten Bösewichtern oder Terrororganisationen lokalisiert und vernichtet werden kann.
Wir sollen glauben, daß das Verbrecherische und Böse immer nur mit einzelnen Eindringlingen, Störenfrieden und Tyrannen zu tun hat und nicht mit der Struktur des zivilatorischen Systems selbst. Auch viele Krimis, ob geschrieben oder verfilmt, fassen das Kriminelle gewöhnlich als Störung der Kultur- und Rechtswelt auf und unterschlagen die simple Tatsache, daß alle unsere Kunstwelten schon ein Durchbrechen (crimen) und Verdrehen ursprünglich wilder Naturgegebenheiten darstellen.
Filme spielen mit von der bildenden Kunst lange zuvor erarbeiteten Bildern, die jeweils zu einem Blick zusammenfassen, wie Wirkliches gesehen und verstanden werden kann und setzen diese Bilder in Bewegung, inzwischen immer schneller und atemberaubender. Für die Zeichnungsserie OTVP schaue ich mir diese bewegenden Motive einzeln in Standbildern an, zeichne sie vor dem Monitor und ordne sie zu kleinen Dreibildeinheiten, für mich visuelle Haiku, um sie in solcher Brechung wieder sichtbar und besinnbar zu machen. Ich betrachte Filme generell als eine Art von Schule, die uns Sichtweisen, Einstellungen und Auffassungen anbietet, wie mit Wirklichem umzugehen ist.
Die Bondfilme geben sich als reine Fiktion und lassen in ihrer parodistischen Überdrehtheit keinen Zweifel aufkommen, ob wir Entscheidendes nicht doch für bare Münze nehmen sollten. Was mich an ihnen wegen seiner bestechenden Logik anzieht, sind die verschiedenen Bilder von Spannern mit all ihren optischen Geräten, den dazugehörigen Sexualobjekten, den eingesperrten und manchmal rausgelassenen wilden Tieren, den diversen Fahrzeugen, den teuren Tourismusschauplätzen und vor allem, wie ständig etwas in die Luft fliegt. Für die ganzen Nach-Bond-Actionserien existiert schon eine eigene Autocrash-Industrie.
Andauernd explodieren Autos, Häuser, sogar Leute, was anscheinend immer wieder gern gesehen wird.
Ich behandle die Bondfilme als eine »Schule der Sprenglebendigkeit«, die uns Muster an die Hand geben soll, wie wir die in ihrer Konsequenz unausdenkbaren Explosionen nicht vielleicht doch vereinzelt ein bißchen denken und angucken können.
Die ausgewählten Motive decken sich nicht unbedingt mit dem, was die verschiedenen Gesellschaften, die mit dem Artikel Bond ihr Geld machen, als typisch Bond vorgeben. Diese Arbeit ist nicht als Huldigung, aber auch nicht als Parodie gemeint. Es stellt den Versuch dar, auf unkonventionelle Weise eine Art visueller Forschung zu betreiben, oder auch eine Philosophie in Bildern.
Zu den einzelnen Filmen sind unterschiedlich viele Zeichnungen entstanden.
Köln, 1993



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